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Besuch der 9b bei der Rottenburger Tafel

Am Mittwoch, den 18. November 2009, haben wir, die Klasse 9b vom ZSG, die Rottenburger Tafel besucht.

Der günstige Verkauf von Lebensmitteln an bedürftige Menschen passte gerade gut zu unserem Thema in Gemeinschaftskunde: „Der Sozialstaat in Deutschland“. Schon im Voraus haben wir uns Fragen überlegt, die wir dann bei unserem Besuch stellen durften. Als wir ankamen, wurden wir zuerst durch den Raum geführt, in dem die Lebensmittel zum Verkauf bereit stehen. Danach kamen wir in einen recht kleinen Raum, das Wartezimmer. Dieses war für ca. 30 Schüler jedoch viel zu klein und nicht alle bekamen einen Sitzplatz.

Dann durften wir Frau Altvater und Frau Steffens, die sich an diesem Vormittag extra für uns Zeit genommen hatten, Fragen stellen. Eine der ersten Fragen war natürlich, wo denn das ganze Essen herkommt. Frau Altvater erklärte uns, dass sie das Essen von Läden geschenkt bekommen. Dabei handelt es sich um liegen gebliebene Sachen oder um solche, bei denen die Verpackung eingerissen ist und nicht mehr verkauft werden kann. Das kann alles mögliche sein: Gemüse, Obst, Joghurt … seltener gibt es Fleisch oder Kaffee. Alle Lebensmittel der Tafel kosten nur rund 10% des Ladenpreises. Das brachte uns zur nächsten Frage: Woher können die Mitarbeiter wissen, dass nicht jemand in der Tafel einkauft, der nicht bedürftig ist? Jeder, der hier einkauft, bekommt eine Mitgliedskarte. Momentan gibt es rund 50 Kartenbesitzer, zu denen aber wiederum Familienmitglieder gehören. Es kommen rund 120 – 150 Leute pro Tag um einzukaufen. Aber so eine Karte bekommt man nur, wenn man seine Bedürftigkeit nachweist, z.B. durch den Rentenbescheid, oder den HartzIV-Bescheid. Vermehrt gehören zu den Bedürftigen auch junge Erwachsene und Familien, denen trotz einer geregelten Arbeit das Geld nicht mehr ausreicht, um die Familie zu versorgen, z.B. durch Kurzarbeit. Es kommen grundsätzlich mehr Ausländer als Deutsche zur Tafel. Viele Deutsch schämen sich dafür, dass sie arm sind und wollen nicht gesehen werden, wie sie in der Tafel einkaufen.

Natürlich gibt es nicht sehr viel Auswahl im Tafelladen. Getränke und Nutella gibt es eher selten. Wir, die wir fast alles zu essen bekommen können, was wir wollen und dadurch extrem anspruchsvoll sind, und es gewöhnt sind, in riesigen Supermärkten wie z.B. dem Real einkaufen zu können, können uns gar nicht vorstellen, wie es sein muss, bei der Auswahl der Nahrung so beschränkt zu sein und manchmal nicht einmal so viel kaufen zu dürfen, wie wir wollen, da noch andere da sind, die auch etwas bekommen müssen.

Das Geld, das die Tafel durch den Verkauf von Lebensmitteln einnimmt, reicht natürlich nicht für die Kosten der Tafel: Wasser, Heizung, Flyer und auch die Lieferwägen zur Beschaffung der Ware kosten Geld. Im Jahr 2008 betrugen die Ausgaben ca. 1000€ pro Monat. Deswegen arbeiten alle Mitarbeiter ehrenamtlich.

Die Tafel ist fast das ganze Jahr über geöffnet – selbst in den Weihnachtsferien. Nur in den Sommerferien hat die Tafel 4 Wochen geschlossen, denn auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter brauchen einmal Urlaub um wieder neue Energie zu tanken.

Wie kam man überhaupt auf die Idee, eine Tafel zur gründen? Diese Idee stammt aus den USA. Dort gab es die erste Tafel in den 80er Jahren in New York. Bald folgte die erste deutsche Tafel in Berlin. Die Rottenburger Tafel wurde 1997 gegründet und war eine der ersten Tafeln in der Umgebung. Heute gibt es auch in Tübingen oder Mössingen Tafeln.

Es wurde noch gefragt, wie man der Tafel helfen könne. Als erstes kann jeder natürlich Essen spenden – doch das ist nicht so einfach: Die Produkte müssen original verpackt und mit Ablaufdatum versehen sein. Selbst eingemachtes wie z.B. Marmelade darf nicht verkauft werden, weil man nicht genau weiß, was darin ist und wie lange sie haltbar ist. Beliebte Spenden sind aber Milchprodukte wie z.B. Käse. Darüber hinaus gibt es noch die Möglichkeit, ehrenamtlich in der Tafel mitzuarbeiten. Auch Schüler können nach einer Hygieneeinweisung mithelfen, indem sie z.B. in den Ferien vorbeikommen. Jede Stunde hilft und jeder kann sich hier sozial engagieren!

Nachdem alle unsere Fragen beantwortet waren, durften wir uns noch genauer den Verkaufsraum anschauen. Auch dieser war sehr klein und die Regale waren mit allem Möglichen gefüllt – von Babybrei bis zu gespendeten Kürbissen. In Mengen gab es Brote oder süße Stückle vom Bäcker.

Dann war es aber auch Zeit zu gehen und wir verließen die Rottenburger Tafel mit jeder Menge Informationen und viel Stoff zum Nachdenken.

Janina Wachendorfer, 9b

Unser besonderer Dank gilt Frau Altvater und Frau Steffens, die sich an diesem Vormittag die Zeit genommen haben, sich unseren zahlreichen Fragen zu stellen und sie alle geduldig und sehr informativ zu beantworten! Wir haben viel gelernt. Herzlichen Dank!

 
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