| Marketing und Management im Neigungsfach Wirtschaft |
|
Herr Riethmüller, Geschäftsführer der Osiander´schen Buchhandlung, referierte in den Neigungskursen Wirtschaft des ZSGs zum Thema „Marketing und Management“ Wie schafft es die Osiander´sche Buchhandlung Osiander gehört zu den vier größten deutschen Buchhandlungen: Trotz des Büchermarktes über Internet, der Zunahme des Gebrauchtbuchhandels und der neuen Herausforderung durch E-Books, also des elektronischen Herunterladens von Büchern, schafft es der Familienbetrieb immer wieder die Kundschaft anzuziehen. Welches Erfolgsrezept steckt dahinter? Die Schüler des Neigungskurses Wirtschaft am Zweiten Städtischen Gymnasium erhielten von Herrn Riethmüller, also direkt vom Experten, wichtige Einblicke in Management- und Marketingstrategien. Sie wissen jetzt wie der Familienbetrieb trotz weltweiter Konkurrenz in Baden-Württemberg überleben und kräftig Gewinn machen kann.
Herr Riethmüller gehört mittlerweile fast schon zum festen Bestandteil des Unterrichts im Neigungsfach Wirtschaft. Statt Bücherwissen erfahren die 12er Kurse im Fach Wirtschaft von ihm bereits seit drei Jahren wie sich die Osiandersche Buchhandlung dem Trend der Zeit stellt und neue Herausforderungen immer wieder anpackt und dann auch geschickt meistert. E-books und der Internet-Gebrauchtbuchhandel haben den Umsatz der Osianderschen Buchhandlung etwa um 10% reduziert, der Umsatz an Fachbüchern im universitären Bereich hat sich sogar um 20% vermindert, da Studenten über Amazon heutzutage gebrauchte Bücher beziehen. Für die Schüler des ZSGs stellte sich vor diesem Hintergrund immer wieder die Frage, wie schafft es Osiander trotzdem erfolgreich zu wirtschaften? Herr Riethmüller legte ganz deutlich dar, welche Konsequenzen sich aus dem florierenden Gebrauchtbuchhandel über Internet und neuen Lesegewohnheiten für das Osiandersche Marketingkonzept ergeben. „Es gibt weniger Kunden, die Fachliteratur und inhaltlich gute Bücher wünschen.“ Die Antwort des Geschäftsführers: Weg von anspruchsvoller Literatur und Fachbüchern - hin zu Unterhaltungsliteratur. Um im Wettbewerb mithalten zu können weitet Osiander zudem das Angebot aus: Kerzen, Servietten, Duftöle, schöne Stifte sprechen den aktuellen Hauptkundenstamm von Osiander an, „denn jedes zweite Buch wird als Geschenk verkauft“ so Christian Riethmüller, „das Geschäft mit Geschenkartikeln läuft!“ Für manch einen langjährigen Mitarbeiter ist es schwer diesen Trend zu verkraften, „dem muss ich erklären, dass ein inhaltlich gutes Buch hinten steht und die Unterhaltungsliteratur plötzlich vorne. Zudem soll er immer mehr Servietten und weniger Bücher verkaufen, das ist hart.“ Dennoch: „Wir sind heute nicht mehr in der Lage uns unsere Kunden auszusuchen, wir verkaufen, was Kunden toll finden.“ Die Kundenwünsche, also das "externe Marketing" ist für Osiander zentral. Deswegen wird die Beratungskompetenz des Personals groß geschrieben, "es arbeiten nur ausgebildete Buchhändler bei uns". Auch die Information der Kunden über Neuerscheinungen lässt sich der Familienbetrieb einiges kosten: Osiander finanziert einen eigenen Bücherkatalog, in dem die Mitarbeiter interessante Neuerscheinungen vorstellen. Die Beteiligung am kulturellen Leben, wie etwa durch Autorenlesungen und T-Shirts aus deutscher Herstellung für Erstklässler, ein professioneller Internet-Auftritt und die Herstellung einer Wohlfühlatmosphäre durch Kaffeecken mit Zeitschriften sind weitere Reaktionen auf den Strukturwandel. Neben dieser Ausrichtung auf die Kundenwünsche hebt Christian Riethmüller die Bedeutung des „internen Marketings“ hervor. Und darin unterscheidet sich das Einzelhandelsunternehmen ganz deutlich von großen Bücherketten wie Thalia oder Hugendubel. Er kennt jeden seiner Mitarbeiter und nimmt deren Probleme und Ansichten ernst. Vor Hochfesten wie Weihnachten nimmt sich der Geschäftsführer sogar Zeit und schreibt allen eine persönliche Weihnachtskarte. Durch den regelmäßigen Kontakt zu Mitarbeitern schafft Riethmüller ein angenehmes Geschäftsklima, „die Mitarbeiter fühlen sich wohl bei der Arbeit und sind motiviert“. Zudem haben die Buchhändler einen großen Spielraum bei der Gestaltung: „Bei uns bestimmen die Mitarbeiter in unseren Filialen das Sortiment selbst, in Tübingen sieht unser Sortiment ganz anders aus als in Rottenburg. Bei großen Bücherketten wie Thalia ist überall alles gleich.“ Loyalität statt anonymer Strukturen heißt die Devise und die zahlt sich auch aus, denn „Mitarbeiter sind Multiplikatoren“. „Wie finanzieren Sie das alles? – Ist das anderen Unternehmen auch möglich?“ – Diese Schülerfrage wird Christian Riethmüller in einer eigens für das ZSG zugeschnittenen Unterrichtseinheit, die er in Zusammenarbeit mit Marion Trieß von der Firma Auren, ausgearbeitet hat, demnächst beantworten. Die Schüler zeigten ihre Wertschätzung durch einen kräftigen Applaus und durch ihr Feedback im folgenden Unterricht: „Das hat sich wirklich gelohnt“, „Herr Riethmüller hat uns das Thema durch seine Beispiele toll veranschaulicht“. Also ein herzliches Dankeschön für die Zusammenarbeit mit dem ZSG und die Bereicherung unseres Unterrichts! S. Pulvermüller |